Die Story ist schnell erzählt: Der hard boiled cop James ist von der Idee nicht begeistert, dass der in seinen Augen unwürdige Ben dessen Schwester ehelichen will. Um ihm eine Chance zu geben, sich zu beweisen, nimmt er ihn für einen Tag auf Polizeistreife mit. Doch schnell stellt sich einerseits heraus, dass James kein großes Interesse an Bens Versuchen hat, ihn zu überzeugen, und andererseits, dass er nebenher lieber den untergetauchten und mysteriösen Bösewicht »Omar« (argh, da bekam ich bescheuerte Assoziationen mit »The Wire« erstmal nicht aus dem Kopf) nachjagen will, der ihm mal wieder gerade entwischte. als infolge einiger unvorhergesehener Entwicklungen die Schwester und Angebete plötzlich in Gefahr schwebt, muss James zähneknirschend anerkennen, dass er auf Bens Hilfe angewiesen ist.
Es ist nicht überraschend, dass »Ride Along« aus bereits zur Genüge durchgekauten Versatzstücken plus einiger etwas platt geratener Gegenwartsbezüge besteht, die man mit gutem Willen gerade eben als halbironische gesellschaftskritische Versuche erkennen kann. Der Plot des Hampelmannritters, der sich für seine Prinzessin gegenüber deren Beschützer in diversen Aufgaben beweisen muss, lädt auch eher zum Gähnen ein.
Auch die Figuren sind nicht sonderlich innovativ: Während James den typischen hartgesottenen Großstadtpolizist mit kaputtem Sozialleben darstellt, wie man ihn schon zig mal in diversen Cop-Komödien und buddy movies gesehen hat, ist Ben eine einfältige Quasselstrippe mit hyperaktiven Zügen, deren naive Selbstüberschätzung (etwas unlogisch) schnell in Panik umschlägt, sobald ihr die Gefahr der Situation bewusst wird, in der sie gerade steckt. Natürlich bringt gerade das das ungleiche und nicht ganz freiwillig zusammengeschweißte Team immer wieder in brenzlige Situationen – aber ebenso (ein wenig vorhersahbar) auch wieder aus diesen heraus.
Was den Film jedoch auf angenehme Weise von seiner uninspirierten Prämisse abheben lässt, ist letztendlich das wichtigste bei dieser Art von Filmen: Sein Humor funktioniert auf wohltuende und zunächst überraschende Weise gut. Kevin Hart schafft es erstaunlich gut, den sich oft ungewollt durch die Szenen albernden Möchtegern-Cop zur Geltung zu bringen, sodass man am Ende des Films fast so etwas wie Sympathie mit ihm empfindet. Der zwischen, an Eddie Murphy erinnernde (ohne dabei dessen Sprechtempo und Nervigkeit erreichende) , Mund- und Gestenakrobatik und Slapstick-Einlagen pendelnde Humor weiß nach kurzer Eingewöhnungszeit das Eis zu brechen und Ice Cube stellt in seiner Hölzernheit einen passenden, lakonischen Gegenpart dar. Nur die bad guys, allen voran ein müde und gelangweilt wirkender Laurence Fishburne, bleiben ein wenig blass und können nicht wirklich aus dem Schatten der eindimensionalen Rollen heraustreten, die ihnen die Story zuschreibt, sodass sie am Ende eher als notwendiges Material für die ordentlich gemachten Actionszenen erscheinen.
Alles in allem ist Tim Story mit »Ride Along« eine launige Komödie gelungen, die mit zwei gut aufgelegten Hauptdarstellern Punkten und deren Humor dem Zuschauer immer wieder ein Lachen entlocken kann, ohne in die Klamaukecke abzudriften.
Bewertung 7/10
USA 2013
Regie: Tim Story
Drehbuch: Phil Hay, Matt Manfredi, Jason Mantzoukas, Greg Coolidge
Produzent: Ronald G. Muhammad, Ice Cube, Larry Brezner, Nicolas Stern, William Packer, Matt Alvarez
Kamera: Larry Blanford
Komponist: Christopher Lennertz
Darsteller: Kevin Hart, Ice Cube
Laufzeit: 100 Minuten
Kinostart: 10. April 2014
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Mittwoch, 2. April 2014
Mittwoch, 26. März 2014
Sneak-Preview-Review #2: »Tracks« (»Spuren«)
»Tracks« ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans der australischen Schriftstellerin Robyn Davidson, in welchem sie ihre 1.700 Meilen lange Reise durch die westaustralische Wüste beschreibt.
Von der ersten Sekunde an zieht »Tracks« den Zuschauer in seinen Bann und er schafft dies auf dreierlei Weise: Auffällig wird zunächst die visuelle Qualität des Films. Hier stimmt wirklich alles, seien es die Panoramaaufnahmen der australischen Outbacks, seien es die impressionistisch anmutenden Sequenzen, in denen Realität, Traum und Erinnerung verschmelzen und ineinander übergehen. Bereits die erste Einstellung gibt mit ihrer Wirkung die Stimmung dessen vor, was den Zuschauer in den kommenden 110 Minuten erwartet: Nicht nur eine Reise im Äußeren, sondern auch im Inneren.
Der zweite Punkt ist der der minimalistisch gehaltene Score, der perfekt Hitze und Abgeschiedenheit der Wüste, wie auch die übrigen Stationen der Reise untermalt.
Zusammen lassen diese beiden inszenatorischen Elemente den Film zu einer immer wieder meditativ wirkenden Erfahrung werden und entfalten dabei einen unheimlichen Sog hinein in eine fremde, heiße Welt, die noch lange nachklingt.
Der dritte und wirklich herausragende Punkt von »Tracks« ist jedoch seine Hauptdarstellerin: Mia Wasikowska spielt die selbstbestimmte junge Frau so souverän, dass man sofort eine emotionale Verbindung zu ihr aufbauen kann – und ab diesem Punkt nimmt der Film den Zuschauer gefangen. Auch die übrigen Darsteller wissen zu überzeugen: Adam Driver passt gut in die Rolle des Journalisten Rick, der die Hauptfigur auf ihrer Reise als Fotograf begleitet. Wirkt er zu Beginn des Films noch etwas einfältig und engstirnig, so zeichnet sich im Laufe der Zeit jedoch eine Veränderung, nicht ohne Ambivalenz, wie auch die Verhalten der beiden Figuren zu einander. Nicht zu vergessen sind schließlich auch die zahllosen tierischen Darsteller, die – als elementarer Bestandteile des Plots – einen starken Eindruck machen.
Dramatisch lässt der Film sich Zeit, sodass genug Gelegenheit bleibt, die Hauptfigur kennenzulernen, die immer wieder ihre Willensstärke und Unabhängigkeit demonstriert. Erst nach und nach legt die Handlung an Spannung zu und zugleich wird immer deutlicher, dass der Weg durch die Wüste immer mehr zu einer Suche dem eigenen Selbst und einer Möglichkeit wird, mit der eigenen Vergangenheit umzugehen. Zugleich wächst das naive Interesse der Außenwelt an der Reise der jungen Frei stetig, was in in immer absurder anmutenden Episoden zum Ausdruck kommt.
Bewertung: 9/10 (…mit der Option auf Aufwertung – ich halte mich mit einer Höchstwertung nur deshalb zurück, weil ich damit nicht einfach so um mich schmeißen will)
Australien/Großbritannien 2013
Regie: John Curran
Drehbuch: Marion Nelson
Produzent: Xavier Marchand
Kamera: Mandy Walker
Komponist: Garth Stevenson
Darsteller: Mia Wasikowska, Adam Driver
Laufzeit: 110 Minuten
Kinostart: 10. April 2014
Kritik auf moviepilot.de
Von der ersten Sekunde an zieht »Tracks« den Zuschauer in seinen Bann und er schafft dies auf dreierlei Weise: Auffällig wird zunächst die visuelle Qualität des Films. Hier stimmt wirklich alles, seien es die Panoramaaufnahmen der australischen Outbacks, seien es die impressionistisch anmutenden Sequenzen, in denen Realität, Traum und Erinnerung verschmelzen und ineinander übergehen. Bereits die erste Einstellung gibt mit ihrer Wirkung die Stimmung dessen vor, was den Zuschauer in den kommenden 110 Minuten erwartet: Nicht nur eine Reise im Äußeren, sondern auch im Inneren.
Der zweite Punkt ist der der minimalistisch gehaltene Score, der perfekt Hitze und Abgeschiedenheit der Wüste, wie auch die übrigen Stationen der Reise untermalt.
Zusammen lassen diese beiden inszenatorischen Elemente den Film zu einer immer wieder meditativ wirkenden Erfahrung werden und entfalten dabei einen unheimlichen Sog hinein in eine fremde, heiße Welt, die noch lange nachklingt.
Der dritte und wirklich herausragende Punkt von »Tracks« ist jedoch seine Hauptdarstellerin: Mia Wasikowska spielt die selbstbestimmte junge Frau so souverän, dass man sofort eine emotionale Verbindung zu ihr aufbauen kann – und ab diesem Punkt nimmt der Film den Zuschauer gefangen. Auch die übrigen Darsteller wissen zu überzeugen: Adam Driver passt gut in die Rolle des Journalisten Rick, der die Hauptfigur auf ihrer Reise als Fotograf begleitet. Wirkt er zu Beginn des Films noch etwas einfältig und engstirnig, so zeichnet sich im Laufe der Zeit jedoch eine Veränderung, nicht ohne Ambivalenz, wie auch die Verhalten der beiden Figuren zu einander. Nicht zu vergessen sind schließlich auch die zahllosen tierischen Darsteller, die – als elementarer Bestandteile des Plots – einen starken Eindruck machen.
Dramatisch lässt der Film sich Zeit, sodass genug Gelegenheit bleibt, die Hauptfigur kennenzulernen, die immer wieder ihre Willensstärke und Unabhängigkeit demonstriert. Erst nach und nach legt die Handlung an Spannung zu und zugleich wird immer deutlicher, dass der Weg durch die Wüste immer mehr zu einer Suche dem eigenen Selbst und einer Möglichkeit wird, mit der eigenen Vergangenheit umzugehen. Zugleich wächst das naive Interesse der Außenwelt an der Reise der jungen Frei stetig, was in in immer absurder anmutenden Episoden zum Ausdruck kommt.
Bewertung: 9/10 (…mit der Option auf Aufwertung – ich halte mich mit einer Höchstwertung nur deshalb zurück, weil ich damit nicht einfach so um mich schmeißen will)
Australien/Großbritannien 2013
Regie: John Curran
Drehbuch: Marion Nelson
Produzent: Xavier Marchand
Kamera: Mandy Walker
Komponist: Garth Stevenson
Darsteller: Mia Wasikowska, Adam Driver
Laufzeit: 110 Minuten
Kinostart: 10. April 2014
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Mittwoch, 19. März 2014
Sneak-Preview-Review #1: »Words and Pictures«
»Words and Pictures« wird von drei Handlungsebenen bestimmt: Die sich entwickelnde Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren, der sich daraus ergebende »Wettkampf der Künste« und schließlich das Szenario der Privatschule, vor dem sich beides abspielt.
Leider krankt der Filme dabei gleich an zweien seiner drei Ebenen: Zunächst einmal ist der dargestellte »Lebensraum Privatschule« weder sonderlich originell noch aufregend und insgesamt bleibt die Institution mit ihren High-Society-Milchgesichtern blass und der sich entwickelnde Subplot um eine drangsalierte Schülerin wirkt aufgesetzt und wird schnell als reines Mittel zum Zweck deutlich, der Haupthandlung mehr Spannung zuzuführen.
Der zweite und viel schwerer wirkende Kritikpunkt liegt jedoch in der (ich traue mich fast gar nicht, sie überhaupt so zu bezeichnen) »kunsttheoretischen« Prämisse des Films, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist: Der vor dem Hintergrund der Schule inszenierte Wettstreit zwischen Worten und Bildern ist von der Sekunde seiner Ausformulierung an eher für ein Gähnen gut, gerade weil sich auch der kunstdesinteressierteste Zuschauer denken kann, in welche Richtung die Lösung des Ganzen tendieren wird. Natürlich stellt der Film von Anfang an klar, dass es bei diesem Kampf gar nicht um die Sache selbst geht, sondern um die angeknacksten Egos der beiden Hauptcharaktere und um die für alle Beteiligten letztendlich inspirierende und quasi emotionale Ressourcen mobilisierende Wirkung des Ganzen. Leider reitet der Film dennoch immer wieder auf seiner allem vorausgehenden, äußerst seichten und pseudointellektuellen Behandlung von Kunst herum, die nach viel zu langen 111 Minuten in einem rührseligen Finale kulminiert, in dem besonders das anfangs noch erträgliche Runterzitieren amerikanischer Schriftsteller außer Kontrolle gerät und als weiteres Indiz für die Schwurbeligkeit des geistigen Überbaus von »Words and Pictures« erkennbar wird: Wenn das Drehbuch nicht mehr weiter weiß, werden halt wahllos Zitate der »Großen« ausgegraben.
Die dritte Handlungsebene rettet den Film dann doch noch auf ein fast schon sympathisches Mittelmaß: Zwar stellt sich die Beziehung zwischen Jack und Dina schnell als am Reißbrett entworfen heraus, doch die beiden Hauptcharaktere können dieser Vorhersehbarkeit eines gutes Stück entrinnen. Beide sind angenehm schrullig, widerborstig und ihre menschlichen Schattenseiten treten deutlich hervor – selbst wenn Jack als auf Grund gelaufener Autor, der sich an seinen Job als Englischlehrer an einer Privatschule klammert und angesichts seiner Schreibblockade und der Entfremdung seines Sohnes schleichend in die Alkoholabhängigkeit rutscht, schnell in der Klischeekiste landet. Sein loses, die Umgebung mit ungezählten etymologisches Klugscheißeren über die von ihm so hoch verehrte englische Sprache nervendes Mundwerk wirkt dann wieder wie eine künstliche Drehbuchidee, die zunehmend nervt, ähnlich wie der zu oft zur Schau gestellte kollegiale Wettstreit um das Aufspüren von Worten mit schwindelerregenden Silbenzahlen. Clive Owen gelingt es jedoch immer wieder, dem etwas holzschnitthaften Charakter erheiternde Momente abzutrotzen und der statischen Figur Leben einzuhauchen, auch wenn das Drehbuch ihn zu einem eher unsympathischen Kotzbrocken zu degradieren versucht.
Als wirklich gelungenen Charakter lässt sich dagegen die scharfzüngige Dina, eine ehemalige Künstlerin, deren Leben und Schaffen von einer körperliche Erkrankung aus der Bahn geworfen wurde, beschreiben – nicht zuletzt durch Juliette Binoches Verkörperung wird sie zur deutlich runderen und interessanteren der beiden Hauptfiguren und kann ehrliches Interesse wecken, ohne in Klischees zu verfallen.
Auch das Zusammenspiel der Beiden von der Welt und sich selbst Enttäuschten, die jedoch immer wieder kindliche Aufgewecktheit durchblickt lassen, ist eines der gelungeneren Elemente des Films und schafft es den Großteil der Zeit über, dass man die Kritikpunkte für eine Zeit lang beiseite legen und sich von der herrlichen Chemie der beiden Charaktere hinreißen lassen kann.
An diesem Punkt empfinde ich es als wirklich schade, dass »Words and Pictures« letztendlich nur an der emotionalen Oberfläche seiner beiden Hauptcharaktere kratzt, an ihren Hoffnungen und Abgründen. Es ist genau diese Ebene, die, getragen von den gut gelaunten Darstellern, den Film vor einem Totalausfall rettet – und immer wieder auch darüber hinaus. Leider befasst sich der Film stattdessen lieber zu viel mit seinen überflüssigen pseudointellektuellen Kunstbetrachtungen und dem nicht wirklich aus der Masse dieser Filme herausragenden Alltagsleben der Privatschule. Hätte der Film sich auf seine Charaktere konzentriert und alles andere auf das Nötigste reduziert und gestrafft, wäre das Endergebnis wahrscheinlich deutlich interessanter geworden.
Bewertung: 6/10
USA 2013
Regie: Fred Schepisi
Drehbuch: Gerald Di Pego
Darsteller: Clive Owen, Juliette Binoche, Valerie Tian, Bruce Davison
Laufzeit: 111 Minuten
Kinostart: 22. Mai 2014
Kritik auf moviepilot.de
Leider krankt der Filme dabei gleich an zweien seiner drei Ebenen: Zunächst einmal ist der dargestellte »Lebensraum Privatschule« weder sonderlich originell noch aufregend und insgesamt bleibt die Institution mit ihren High-Society-Milchgesichtern blass und der sich entwickelnde Subplot um eine drangsalierte Schülerin wirkt aufgesetzt und wird schnell als reines Mittel zum Zweck deutlich, der Haupthandlung mehr Spannung zuzuführen.
Der zweite und viel schwerer wirkende Kritikpunkt liegt jedoch in der (ich traue mich fast gar nicht, sie überhaupt so zu bezeichnen) »kunsttheoretischen« Prämisse des Films, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist: Der vor dem Hintergrund der Schule inszenierte Wettstreit zwischen Worten und Bildern ist von der Sekunde seiner Ausformulierung an eher für ein Gähnen gut, gerade weil sich auch der kunstdesinteressierteste Zuschauer denken kann, in welche Richtung die Lösung des Ganzen tendieren wird. Natürlich stellt der Film von Anfang an klar, dass es bei diesem Kampf gar nicht um die Sache selbst geht, sondern um die angeknacksten Egos der beiden Hauptcharaktere und um die für alle Beteiligten letztendlich inspirierende und quasi emotionale Ressourcen mobilisierende Wirkung des Ganzen. Leider reitet der Film dennoch immer wieder auf seiner allem vorausgehenden, äußerst seichten und pseudointellektuellen Behandlung von Kunst herum, die nach viel zu langen 111 Minuten in einem rührseligen Finale kulminiert, in dem besonders das anfangs noch erträgliche Runterzitieren amerikanischer Schriftsteller außer Kontrolle gerät und als weiteres Indiz für die Schwurbeligkeit des geistigen Überbaus von »Words and Pictures« erkennbar wird: Wenn das Drehbuch nicht mehr weiter weiß, werden halt wahllos Zitate der »Großen« ausgegraben.
Die dritte Handlungsebene rettet den Film dann doch noch auf ein fast schon sympathisches Mittelmaß: Zwar stellt sich die Beziehung zwischen Jack und Dina schnell als am Reißbrett entworfen heraus, doch die beiden Hauptcharaktere können dieser Vorhersehbarkeit eines gutes Stück entrinnen. Beide sind angenehm schrullig, widerborstig und ihre menschlichen Schattenseiten treten deutlich hervor – selbst wenn Jack als auf Grund gelaufener Autor, der sich an seinen Job als Englischlehrer an einer Privatschule klammert und angesichts seiner Schreibblockade und der Entfremdung seines Sohnes schleichend in die Alkoholabhängigkeit rutscht, schnell in der Klischeekiste landet. Sein loses, die Umgebung mit ungezählten etymologisches Klugscheißeren über die von ihm so hoch verehrte englische Sprache nervendes Mundwerk wirkt dann wieder wie eine künstliche Drehbuchidee, die zunehmend nervt, ähnlich wie der zu oft zur Schau gestellte kollegiale Wettstreit um das Aufspüren von Worten mit schwindelerregenden Silbenzahlen. Clive Owen gelingt es jedoch immer wieder, dem etwas holzschnitthaften Charakter erheiternde Momente abzutrotzen und der statischen Figur Leben einzuhauchen, auch wenn das Drehbuch ihn zu einem eher unsympathischen Kotzbrocken zu degradieren versucht.
Als wirklich gelungenen Charakter lässt sich dagegen die scharfzüngige Dina, eine ehemalige Künstlerin, deren Leben und Schaffen von einer körperliche Erkrankung aus der Bahn geworfen wurde, beschreiben – nicht zuletzt durch Juliette Binoches Verkörperung wird sie zur deutlich runderen und interessanteren der beiden Hauptfiguren und kann ehrliches Interesse wecken, ohne in Klischees zu verfallen.
Auch das Zusammenspiel der Beiden von der Welt und sich selbst Enttäuschten, die jedoch immer wieder kindliche Aufgewecktheit durchblickt lassen, ist eines der gelungeneren Elemente des Films und schafft es den Großteil der Zeit über, dass man die Kritikpunkte für eine Zeit lang beiseite legen und sich von der herrlichen Chemie der beiden Charaktere hinreißen lassen kann.
An diesem Punkt empfinde ich es als wirklich schade, dass »Words and Pictures« letztendlich nur an der emotionalen Oberfläche seiner beiden Hauptcharaktere kratzt, an ihren Hoffnungen und Abgründen. Es ist genau diese Ebene, die, getragen von den gut gelaunten Darstellern, den Film vor einem Totalausfall rettet – und immer wieder auch darüber hinaus. Leider befasst sich der Film stattdessen lieber zu viel mit seinen überflüssigen pseudointellektuellen Kunstbetrachtungen und dem nicht wirklich aus der Masse dieser Filme herausragenden Alltagsleben der Privatschule. Hätte der Film sich auf seine Charaktere konzentriert und alles andere auf das Nötigste reduziert und gestrafft, wäre das Endergebnis wahrscheinlich deutlich interessanter geworden.
Bewertung: 6/10
USA 2013
Regie: Fred Schepisi
Drehbuch: Gerald Di Pego
Darsteller: Clive Owen, Juliette Binoche, Valerie Tian, Bruce Davison
Laufzeit: 111 Minuten
Kinostart: 22. Mai 2014
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